FA6-2010 Die erste Urkundliche Erwähnung Auszug aus dem Vortrag von Prof. Dr. Gerhard Fritz am 26. Januar 2007 in Creglingen Quelle: Mitteilungsblatt der Stadt Creglingen Nr.6 10.02.2007 1200 Jahre Archshofen, Freudenbach und Waldmannshofen Was wissen wir ohne die Urkunde über die Zeit um und vor 800 in den Jubiläumsorten? Einwohnerzahlen - Zunächst einmal gilt es, mit einem unter Nichthistorikern weit verbreiteten Irrtum aufzuräumen. Denn Freuden-bach, Waldmannshofen und Archshofen sind keineswegs 1200 Jahre alt. Es handelt sich bei dem Pergamentstück, um das es heute gehen soll, nicht um die Gründungsurkunde dieser Orte. Die Orte sind mehr oder minder zufällig in dieser Urkunde erwähnt, und sie existierten längst, als die Urkunde von 807 ausgefertigt wurde. Wenn man nach dem tatsächlichen Alter der drei Orte fragt, die heuer ihr 1200- Jahr-Jubiläum feiern, gerät man freilich rasch auf unsicheren Boden. Schriftliche Belege für das tatsächliche Alter der drei Orte gibt es nicht. Es fehlt sozusagen die tatsächliche Gründungsurkunde, und sie fehlt, weil es sie nie gegeben hat. Als man Freudenbach, Waldmannshofen und Archshofen gegründet hat - und das mag 100 bis 150 Jahre vor 807 gewesen sein - hat man das nicht aufgeschrieben. Das 7. und 8. Jahrhundert, um das es hier geht, waren eine fast völlig schriftlose Zeit. Außer einigen wenigen Mönchen konnte niemand lesen und schreiben. Wenn man etwas rechtlich bekräftigt haben wollte, genügte es völlig, wenn man den betreffenden Rechtsakt mündlich und in Gegenwart wichtiger, ehrbarer Männer durchführte. Im Übrigen war es sowieso selten nötig, sich etwas in einem Rechtsakt bestätigen zu lassen. Denn angesichts einer nach heutigen Verhältnissen unglaublich kleinen Bevölkerungszahl kannte in weitem Umkreis sowieso jeder jeden, und man wusste sowieso, welches Dorf und welcher Hof wem gehörten. Ein paar Dutzend Einwohner lebte damals allenfalls in Waldmannshofen, eher weniger, wahrscheinlich ein größerer Hof, von dem aus zentral einige wenige weitere Anwesen bewirtschaftet wurden. Nun - solche Zahlen bleiben letztlich immer unsicher, weil wir um 800 in einer vorstatistischen Zeit sind. Kirchliche Strukturen - In allen drei Orten gab es nur eine einzige Kirche - nämlich die in Freudenbach. Die Freudenbacher Pfarrkirche dieser Zeit muss man sich anfangs als Holzgebäude vorstellen, das sicherlich auch keinen Turm hatte. Um 800 mag die ursprüngliche hölzerne Kirche durch einen Steinbau ersetzt gewesen sein. Dass Archshofen zu Freudenbach gehörte, dass Freudenbach also der Mutterort von Archshofen ist, kann man aus mehreren Sachverhalten mit Gewissheit erschließen: Zunächst einmal wissen wir, dass die Pfarrei Archshofen erst 1341 aus dem Pfarrverband von Freudenbach herausgelöst wurde. Außerdem weist der auf -bach endende Ortsname von Freudenbach auf ein etwas höheres Alters als der auf -hofen endende Ortsname von Archshofen hin. Auch Waldmannshofen gehört von seinem Ortsnamen her in diese etwas jüngere Altersgruppe. Anders als in Archshofen verhielt es sich mit der kirchlichen Zugehörigkeit von Waldmannshofen. Es war zum Jahre 1327 Filial von Lipprichhausen. Wir können aus den Ortsnamen noch etwas Bemerkenswertes über die Verhältnisse um 800 herausbekommen: Ob es die kleinen Weiler Erdbach und Schön, die später zu Freudenbach gehörten, schon gab, ist unsicher. Als sicher kann man aber annehmen, dass der Waldmannshofener Teilort Sechselbach bereits existierte. Und mit dem Namen Sechselbach kommt man nun unmittelbar in die politischen Verhältnisse der Zeit um 800 hinein. Kaiser war damals Karl der Große. Karl der Große führte jahrzehntelange Kriege gegen die damals noch unabhängigen Sachsen. Gemeint ist nicht das heutige Bundesland Sachsen, gemeint ist grob gesagt eher das Gebiet des heutigen Niedersachsen und Westfalens. Karl der Große bezwang die Sachsen schließlich und gliederte sie seinem Reich ein. Er siedelte wohl Tausende von Sachsen aus ihrem Vaterlande zwangsweise aus und verteilte sie quer über sein Reich. Wir können noch heute in Südwestdeutschland eine ganze Anzahl Orte erkennen,so auch Sechselbach bei Waldmannshofen. Man sieht also, wie die große Politik unmittelbar in unser Ortsjubiläum hineinspielt. Man kann aus all dem sogar schließen, wie alt Sechselbach sein muss. Wahrscheinlich wurde es ein oder zwei Jahrzehnte vor dem Jahre 800 gegründet. Die Ur-Sechselbacher waren also Heirnatvertriebene, die sich selbstverständlich binnen weniger Jahrzehnte an ihre fränkische Umgebung anpassten und die spurlos assimiliert wurden. Sechselbach gelangte mit gutem Grund nie zu politischer Eigenständigkeit. Seine sächsischen Bewohner waren als Kriegsverlierer eben von Anfang an den fränkischen Waldmannshofenern unterstellt. Die Urkunde und was wir aus ihr erfahren Die Urkunde vom 7. August 807 ist wie ein Licht in einer dunklen, schriftlosen Zeit, und wir können durch diese Urkunde Einblick nehmen in Verhältnisse, die ansonsten durch die fehlende Schriftlichkeit unserer Analyse weithin verborgen sind. Karl der Große weilte an jenem 7. August 807 in seiner Pfalz Ingelheim. Wenn unter den Antragstellern eines kaiserlichen Beglaubigungsaktes auch Geistliche waren, die lesen und schreiben konnten, baten sie den Kaiser um eine schriftliche Bestätigung seiner Beglaubigung. Die Urkunde von 807 ist in lateinischer Sprache abgefasst. Die damals gesprochene Sprache des Volkes, das Althochdeutsche, wurde für Rechtstexte grundsätzlich nicht verwendet, sondern allenfalls einmal für Gebete, weil das damalige Volk ja sonst nicht verstanden hätte, was die Pfarrer erzählen wollten. Man muss die Urkunde von 807 erst einmal übersetzen. Das habe ich getan, und ich möchte jetzt in geraffter Form und mit einigen Erläuterungen wiedergeben, was in dem Jubiläumsdokument drinsteht: Der Beginn des Urkundentextes:  Die Anrufung Gottes und die Titel und Ämter Karls des Großen Die Urkunde beginnt mit der sogenannten lnvocatio, der Anrufung Gottes: In nomine patris et filii et spiritus sancti. Dann stellt sich in der sogenannten intitulatio der Urkundenaussteller, Karl selbst vor. Er bezeichnet sich als "Karl, berühmter, erhabener, von Gott gekrönter, großer, friedensbringender Kaiser, der das Römische Reich regiert, und von Gottes Gnaden König der Franken und Langobarden". Das ist ein ganzes politisches Programm: Zunächst einmal sieht Karl sich in unmittelbarer Verbindung zu Gott, zu eben jener Dreifaltigkeit, die seiner eigenen Nennung direkt vorausgeht. Karl bezeichnet sich als Kaiser. Das ist er erst seit dem Weihnachtstag im Jahre 800, als er in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Karl ist Kaiser der Römer, er ist nicht - wie manche meinen - deutscher Kaiser. Einen deutschen Kaiser gab es damals gar nicht. Karl hat mit seiner Kaiserkrönung anno 800 die Tradition des 476 untergegangenen Weströmischen Reiches wieder aufleben lassen, und Karl beansprucht als Kaiser eine Oberhoheit über alle anderen Herrscher in West-, Mittel- und Südeuropa. Deshalb sind auch die Hinweise, dass er ein "berühmter, erhabener, von Gott gekrönter, großer, friedensbringender Kaiser' sei, keineswegs eine überflüssige Aneinanderreihung von Floskeln. Für Karl und die Menschen seiner Zeit signalisierte jeder dieser Begriffe die herausgehobene Position des Herrschers. Schauen wir die Urkunde weiter an. Karl bezeichnet sich nicht nur als Kaiser der Römer, sondern auch als König der Franken und der Langobarden. Der Titel des Königs der Franken war Karls ältester Titel. Er führte ihn seit dem Jahre 768. Die Franken waren jener germanische Stamm, der alle anderen Germanenstämme des europäischen Festlandes unterworfen und seinem eigenen Reich eingegliedert hatte. Als besonders mächtiger Stamm waren 773 die Langobarden in Italien von Karl unterworfen worden, und er führte den Titel eines Königs der Langobarden stolz bis zu seinem Tod. Die Begründung des Rechtsgeschäfts Nach dieser Selbstvorstellung folgt in der Urkunde eine formelhafte Begründung, die Arenga, weshalb es notwendig und sinnvoll sei, den Inhalt des in der Urkunde enthaltenden Rechtsgeschäfts schriftlich zusammenzufassen. Karl sagt, das sei seine Aufgabe als Monarch und außerdem sei damit für die Zukunft alles dauerhaft aufgeschrieben. Seine Geistlichen hatten ihm gewiss genau erläutert, worum es in dem lateinischen Urkundentext ging. Die handelnden Personen des Rechtsgeschäfts: Bischof Eigilward und Graf Audulf Nun, jedenfalls kommt die Urkunde von 807 nach der erwähnten formelhaften Begründung zur sogenannten Narratio, zur Sache: Karl schildert, dass zwei wichtige Persönlichkeiten zu ihm nach Ingelheim gekommen seien, um ein nicht minder wichtiges Rechtsgeschäft durch den Kaiser bestätigen zu lassen - nämlich der Bischof Eigilward von Würzburg und der Graf Audulf. Wer ist Eigilward, und wer ist der Graf Audulf? Was ist ein Bischof, und was ist ein Graf im Jahre 807? Bischöfe sind die höchsten geistlichen Würdenträger, die es im Frankenreich und im wiedererstandenen römischen Reich gab. Die fränkischen Könige hatten das Netz der Bistümer um 740 über die alten römischen Grenzflüsse Rhein und Donau hinausgeschoben und neue Bistümer gegründet - in unserem Falle am Grabe des heiligen Kilian in Würzburg das neue Bistum Würzburg. Der Bischof Eigilward von 807 war also der Herr eines damals ziemlich jungen Bistums. Eigilward saß nur relativ kurz auf dem Bischofsstuhl des heiligen Kilian, nämlich von 803 bis 810. Man weiß über ihn und seine Familie nichts. Die früher einmal geäußerte Vermutung, er sei mit einem Notar Karls des Großen namens Egilbert identisch, bleibt unsicher. Ziemlich sicher ist, dass Eigilward dem fränkischen Reichsadel angehörte, also jener Schicht, deren Mitglieder Karl der Große überall in seinem Reich in die entscheidenden Machtpositionen brachte, um das Reich zu beherrschen. Bischöfe waren selbstverständlich nicht nur geistliche Herren. Mit der Gründung von Bistümern erschlossen sich die Frankenkönige auch neues Land und entwickelten ein effizientes Herrschaftsnetz. Die Bischöfe sorgten für die Verbreitung einer einheitlichen Religion und einer einheitlichen Ideologie. Sie hatten ihren Gläubigen klarzumachen, dass es nur den Christengott gab - und keine heidnischen Götter mehr. Die Bischöfe hatten aber auch dafür zu sorgen, dass alle Gläubigen wussten, wer der legitime Herrscher war - und dass man als guter Christ diesem zu gehorchen hatte. Nicht zuletzt hatten die Bischöfe an ihren Bistumssitzen und an den von ihnen gegründeten Klöstern dafür zu sorgen, dass eine effiziente Wirtschaft betrieben wurde. Bistumssitze und Klöster wurden von Karl gerne zu längeren Aufenthalten benutzt - und was es mit diesen Aufenthalten auf sich  hatte, haben wir ja bereits im Zusammenhang mit den Pfalzen erfahren. Ein gut funktionierendes Bistum Würzburg nützte Karl dem Großen also unmittelbar. Neben Eigilward tritt in der Urkunde von 807, wie erwähnt, Graf Audulf auf. Wer ist Graf Audulf? Was ist ein Graf? Grafen waren die Stellvertreter des Königs bzw. Kaisers, wenn dieser gerade nicht anwesend war. Und Karl der Große war an den meisten Orten seines riesigen Reiches logischerweise nicht anwesend. Er war auf ein Herrschaftsnetz angewiesen, das auch funktionierte, wenn er gerade nicht da war. Die Grafen wurden von Karl unmittelbar eingesetzt, und sie konnten, wenn sie ihre Geschäfte nicht zufrieden stellend erledigten, durch sog. "Königsboten' auch wieder abgesetzt werden. Ein Graf amtierte innerhalb eines Bezirks, den man als Gau bezeichnete. In unserer Urkunde werden wir noch zwei solchen Gauen begegnen, nämlich dem Gollachgau und dem Taubergau. Nicht seiten beherrschte ein Graf auch mehrere Gaue. Ob das bei Audulf so war, ist nicht ganz sicher bekannt. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, in ihm den Grafen des Gollach- und des Taubergaues zu sehen. Man hat in Audulf auch schon den Mann gesehen, der als Seneschall eine maßgebliche Position am Hofe Karls des Großen innehatte. Das Wort Seneschall ist aus unserem heutigen Sprachgebrauch ja völlig verschwunden. Von den damaligen Hofämtern kennen wir allenfalls noch den Marschall - und den ja eigentlich auch nur noch als militärischen Dienstgrad. Wer war der Seneschall? Der Seneschall war eine Art maßgeblicher Beamter in der höfischen Hierarchie - wenn man das für die damalige Zeit etwas unpassende Wort "Beamter' verwenden will. Aber wie gesagt: Ob unser Graf Audulf mit dem königlichen Seneschall Audulf identisch war, lässt sich nicht mit Sicherheit beweisen, und es ist letztlich für die Ortsjubiläen auch von untergeordneter Bedeutung. Mit ziemlicher Sicherheit aber hatte Audulf auch außerhalb Frankens zu tun: Karl der Große hatte nicht nur die Sachsen in sein Reich gezwängt, sondern auch die Bayern. Die unterstanden zwar nominell schon seit längerem der fränkischen Oberherrschaft, sie taten aber weiterhin, was sie wollten. Als der Bayernherzog Tassilo sich noch größere Bewegungsfreiheit verschaffen wollte, griff Karl der Große eisern durch und setzte ihn 788 ab. Das damalige Herzogtum Bayern hat selbstverständlich mit dem heutigen Bundesland Bayern, was seine territoriale Ausdehnung angeht, wenig zu tun. Das damalige Bayern bestand, grob gesagt, aus dem Gebiet der heutigen Regierungsbezirke Oberbayern und Niederbayern plus Österreich. Da Karl der Große nach Tassilos Absetzung überhaupt keinen bayrischen Herzog mehr haben wollte, unterstellte er Bayern erst einem Grafen Gerold, nach dessen Tod einem Grafen Audulf. Dieser Audulf scheint mit unserem Audulf identisch zu sein. Ein Graf war Audulf auf jeden Fall. Grafen waren natürlich nicht irgendjemand. Karl wählte seine Grafen, genau wie die Bischöfe, aus den vornehmsten fränkischen Adelsfamilien aus. Nicht selten kamen diese Grafen als eine Art von karolingischen Beamten von weit her, aber es war durchaus erwünscht, dass die Grafen sich durch Heiraten mit dem jeweils einheimischen Adel verbanden. Das erleichterte das Geschäft des Regierens. Auf diese Weise erwarben die Grafen auch erheblichen Eigenbesitz, der sie zu reich begüterten Leuten machte. Das eigentliche Rechtsgeschäft- Der Tausch verschiedener Orte und Rechte Um genau ein solches Besitzgeschäft geht es nun im weiteren Verlauf der Urkunde. In der sogenannten Dispositio wird mitgeteilt, dass sowohl Bischof Eigilward als auch Graf Audulf im Gollachgau und im Taubergau diversen Besitz hatten. Aus Gründen, die wir mangels weiterer schriftlicher Quellen nicht mehr nachvollziehen können, lag beiden an einem gegenseitigem Besitzausgleich - und genau das ist der Kernpunkt unserer Urkunde von 807. Bischof Eigilward trat an den Grafen Audulf seine Kirche in Freudenbach im Gollachgau mit ihrem Zubehör ab. Dieses Zubehör wird ausführlich beschrieben: Ich übersetze die entsprechende Passage des Urkundentextes: "eine Kirche in dem Dorf, das Fridunbach heißt und das im Gau, der Gollachgau genannt wird, liegt, mit allen ihren Ländereien, Häusern, Feldern, Wiesen, Wäldern, Weiden, fließenden und stehenden Gewässern, mit aller beweglichen und unbeweglichen Habe und was immer zu dieser genannten Kirche gehört'. Mit in diese Güterübertragung eingebunden waren offenbar zwei Orte, die in der Urkunde als Autgausishoua und Uualtmannisoua bezeichnet werden. Eine doppeldeutige Stelle des Urkundentextes betrifft den Zehnt, der aus allen drei Jubiläumsorten zu zahlen war. Eigentlich steht da, dass der Zehnt in allen drei Orten weiterhin an den heiligen Kilian in Würzburg fließen sollte. Zugleich wird der Zehnt aber in einer gramrnatisch nicht ganz sauberen Konstruktion mit dem lateinischen Wort mancipia in Verbindung gebracht. Ein mancipium, Plural mancipia, konnte einerseits Besitz im Allgemeinen bedeuten. Andererseits wird das Wort aber in der Karolingerzeit aber oft als Bezeichnung für die unterste soziale Schicht der Bevölkerung bezeichnet, so wäre also ungefähr mit "Bauern", "Untertanen" oder Eigenleuten" zu übersetzen. Was sich der Bischof von Würzburg in den drei Jubiläumsorten nun trotz des Tauschs aller drei Orte vorbehalten hat, ist nicht ganz eindeutig: Entweder den Zehnt an allen drei Orten. Das würde durchaus Sinn machen, weil mit dem Zehnt der Pfarrer versorgt wurde. Oder aber hat sich der Bischof die mancipia, die Bauern vorbehalten, die dem heiligen Kilian gehörten. Auch das würde Sinn machen. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Historiker beide Möglichkeiten schon erwogen. Wir können hier keine endgültige Entscheidung treffen, was aber für das Ortsjubiläum auch nicht von allzu großer Bedeutung ist. Die Identifikation der Orte Wir kommen zu einem andern Problem, nämlich dem der Identifizierung der in der Urkunde von 807 vorkommenden Orte. Das Fridunbach und das Uualtmannisoua von 807 ist unschwer mit dem heutigen Freudenbach und mit Waldmannshofen zu identifizieren. Autgausishoua identifizieren die Historiker mit Archshofen - und deshalb darf Archshofen heuer ja auch an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilnehmen. Nun gebietet es die wissenschaftliche Seriosität freilich, darauf hinzuweisen, dass Autgausishoua sprachgeschichtlich nicht mit dem heutigen Ortsnamen Archshofen zusammenpassen will. Man hat deshalb auch schon erwogen, ob Autgausishoua eventuell mit dem heutigen Auernhofen identisch sein könnte. Allerdings passt auch dort der sprachgeschichtliche Befund nicht: Autgausishoua führt sprachgeschichtlich ebenso wenig zu Archshofen wie zu Auernhofen. Wie es 807 zu der befremdenden Namensform Autgausishoua kommt, bleibt rätselhaft. Vielleicht hat sich anno 807 im fernen Ingelheirn nur der Urkundenschreiber, dem ja die Orte gewiss völlig unbekannt waren, bei Autgausishoua verschrieben und wollte eigentlich Archausishoua schreiben. Jedenfalls sprechen die geographische Nähe und die kirchliche Zugehörigkeit von Archshofen zu Freudenbach eher dafür, dass Autgausishoua mit Archshofen zu identifizieren sein dürfte und nicht mit Auernhofen. Aber kehren wir zu dem Rechtsgeschäft von 807 zurück: Der Bischof Eigilward trat also die Kirche von Freudenbach mit Zubehör an den Grafen Audulf ab, und der Graf Audulf trat dafür dem Bischof seine Kirche in dem Orte Sciffa am gleichnamigen Fluss im Taubergau und in einem Ort namens Odinga ab. Odinga lag ebenfalls im Taubergau, und der Besitz in Odinga gehörte eigentlich einem gewissen Hundulf bzw. dessen Sohn, dem Priester Agilulf. Sciffa ist leicht zu identifizieren mit Schüpf. Mit der ldentifizierung von Odinga hat man dagegen noch größere Probleme als mit der Identifizierung von Autgausishoua. Man hat erwogen, dass odinga entweder Dietingen sein könnte oder aber der Ottingshof, der zur früheren Gemeinde Althausen bei Bad Mergentheim gehört. Diese Frage können wir aber unentschieden stehen lassen, da sie für unseren Zusammenhang keine Bedeutung hat. Natürlich ging es bei diesem Besitztausch nicht nur um die Kirchen im Sinne der Kirchengebäude. Da wurde keineswegs nur die Kirche von Freudenbach gegen die Kirche von Schüpf getauscht. Die Urkunde von 807 führt jeweils auf, dass die Kirchen mitsamt ihrem gesamten Zubehör an "Ländereien, Häusern, Feldern' usw. getauscht wurden. Mit anderen Worten: Es handelte sich jeweils also um riesige Komplexe aus Gütern, Rechten und Einkünften, die jeweils nur die Kirchen als Zentralpunkte hatten. Ansatzweise lässt sich erkennen, dass Freudenbach und Schüpf zentralörtliche Funktionen hatten. Archshofen und Waldmannshofen waren eindeutig Freudenbach zugeordnet. Wenn die Zehnten beim Bischof von Würzburg verblieben, dann zweifellos deshalb, weil der Pfarrer von Freudenbach aus diesen Zehnten versorgt werden musste. Es gab für Pfarrer ja kein Einkommen in Geld, sondern in Naturalien: Getreide, einen Anteil am geschlachteten Vieh, Wein, Gemüse, Brennholz usw. Weshalb Audulf über den Besitz des Hundulf und des Agilulf verfügen konnte, entzieht sich völlig unserer Kenntnis. Aber  offensichtlich waren Hundulf und Agilulf dem Audulf nachgeordnet. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass Agilulf Priester geworden und womöglich vom Grafen abhängig war. Vielleicht sind Hundulf und Agilulf aber auch die Ursachen dafür, dass das Tauschgeschäft vom Kaiser bestätigt wurde. Möglicherweise waren Hundulf bzw. Agilulf gar nicht begeistert davon, dass über ihren Besitz verfügt wurde. Aber spätestens nachdem der Kaiser das Tauschgeschäft bestätigt hatte, konnte Agilulf - Hundulf war wohl schon tot - nichts mehr gegen den Tausch unternehmen. Weshalb der Tausch durchgeführt wurde, worin für Bischof Eigilward und für den Grafen Audulf jeweils der Vorteil lag, wenn sie ihre Kirchen mit Zubehör austauschten, ist für uns nicht nachvollziehbar. Da fehlen einfach die nötigen Informationen über die sonstige Besitzstruktur in der weiteren Umgebung Würzburgs. Schluss Schauen wir uns noch den Schluss der Urkunde an: Karl bekräftigt in der sogenannten Corroboratio, dass das Tauschgeschäft nunmehr durch seine Urkunde bekräftigt und bestätigt sei. Und er endet mit einem Satz, der geradezu als Motto über dem heutigen Vortrag stehen könnte: "Und damit diese unsere Erhabenheit fester bekräftigt oder durch die Zeiten hindurch besser bewahrt werde, haben wir befohlen, dass sie durch den Abdruck unseres Siegelrings besiegelt werde." So ist es in der Tat: Wenn all dies nicht durch die Zeiten hindurch durch die heute noch vorhandene Pergamenturkunde bewahrt worden wäre - dann könnten Freudenbach, Archshofen und Waldmannshofen 2007 kein Jubiläum feiern. Die Urkunde endet dann mit Angaben über Ort, Datum und Verfasser und - ganz am Schluss, und den Rahmen zum ersten Satz bildend - mit einer neuerlichen Anrufung Gottes: "In Gottes Namen, in Freude. Amen."