FA6-2010 Waldmannshofen, den 8.Januar 1883 Gedicht Nr. 1 -                    Das Schloß zu Waldmannshofen. Das Schloß zu Waldmannshofen, das Wasserschloß genannt, wer schon davon gelesen, dem ist es wohlbekannt. Schon vor 200 Jahren wars schon ein Festungswerk, es hat darin gewohnet Freiherr von Rosenberg. Als dieser Stamm erloschen, das Schwert war abgerollt, dann hat es dann geerbet, als Lehngut Graf Hatzfeld. Und erst vor eingen Jahren da hat man in der Still, das Lehen abgelöset, weil mans verkaufen will. Da kam es zu den Ohren der Waldmannshöfer Gmein, die wollten es einkaufen die hatten sich vereint. Doch aber nicht im Ganzen, der Mehrzahl aber schon, doch bloß nur keine solchen, die schaffen um den Lohn. Es ging auch von den Letztem, obgleich sie nicht bestellt, zur Gsellschaft ohne Zweifel, was diesen nicht gefällt. Der Holzmann der war trotzig, daß ihm die Backen schwoll, er kann kein Wort mehr reden, er hat den Mund so voll. Auch Meister Veeh kam glaufen, daß ihr mich nicht vergesst, ich will auch Teil dran haben, gell ich bin pfiffig gwesst. Sontheimer als der erste, gibt sich als Schmuser aus, er bringt schnell telegraphisch, auch zwei Archshöfer raus. Er fordert 1000 Gulden, der Mann der ist nicht dumm, wenn wir es ihm nicht geben, so macht ers uns halt krumm. Zum Grafen sind gereiset, der Schultheiß und der Kämpf, der Jacob ohne Zweifel, hat diesmal keine Krämpf. Ein jeder von der Gsellschaft, schiesst 7 Gulden bei, daß sie ja können reisen, wohl hin und her ganz frei. Sie sind nicht lang ausblieben, drei Tag ist gar nicht lang, wer nicht  viel hat ausgrichtet, packt schnell sein Bündel zamm. Beim Wirtshaus angefahren, hat alles sehr gespannt, doch keiner nichts erfahren, sie habens nicht genannt. Jetzt bin ich froh von Herzen,und hab dabei gelacht, hab meine sieben Gulden erspart nun gute Nacht. Gedicht Nr. 2 -                    Der Bürgerstreit zu Waldmannshofen Als ich am Sonntag Abend gesessen bin beim Bier, heißt es, daß wieder eine Teppesch von Düsseldorf sei hier. Doch eh wir es erfahren, weiß unser Schmusermann, daß er die Archshöfer in Kenntnis setzen kann. Und diese Schacherjuden, die strotzen rum dahier, mit Bart und hohem Hute als wie ein Bankrottier. Es sind hier rumgelaufen, der Schultheßs und der Kämpf, und zwei Archshöfer Juden, der Jüngoff mit sei Krämpf. Was brauchen wir die Juden, habn wir nicht gscheite Leut, den Bartel und noch andere in unser lieben Gmeind. Den Bartel an der Spitze, die Juden alle drei, da wird das Wasserschloß bald unser eign sein. Ein pfiffiger hats erfahren, das Schloß wird jetzt verkauft, seht wie die Haare fliegen, wie er im Dorf rumlauft. Er geht auch zum Herrn Pfarrer, erzählt ihm, in der Still, daß man dem gringen Bürger, sein Teil nicht geben will. Und dies ein wackrer Mann, ist auch auf die Armen aus, der läßt den Schultheiß kommen, ja in des Pfarrers Haus. Sind sie ein Schulz der Juden oder für die hiesge Gmeind, daß sie in solchen Sachen, sich lassen mit den Juden ein. Das ist zum Wohl der Juden und nicht der armen Leut, ein Bricht muß jetzt abgehen, zum Grafen sogleich heut. Jetzt wird zusammen glaufen, die erste Schloßpartie und noch ein sonderbarer, wer mag wohl dieser sein. Doch ja sie kommen alle, der Kämpf erscheinet nicht, er will den Meister Christoph nicht gehen vors Gesicht. Denn dieser hat vorher den Kämpf so hergestellt, im Gasthaus zu der Krone, was mir so wohl gefällt. Zum Ersten wird diktieret,  was schon verwaltet ist, muß zahlen 7 Gulden, wer jetzt Teilhaber ist. Und alles schon schlagfertig, zahlt jeder was ihm trifft, damit die zweite Fahrt Jüngoffs bezahlet ist. Und nochmals an die Juden, den Kaufmann zieh ich vor, den Tiergart will er geben, den Archhöfer Chor. Und ich streich mir den Lämmerweg, ein anderer auch schon schreit, obgleich schon alle Jahre weder Knecht noch Magd ihm bleibt. Laßt zum guten Ende , daß ihr euch nicht verschaut, daß ihr nicht eher teilet, bis ihr habt die Bärenhaut.   Gedicht Nr. 3 -                                 No nit vergessen ! Beim Streit zu Waldmannshofen, steht Christoph an der Spitz, kann alles überschauen, von seinem hohen Sitz. Schon vor der Morgenglocke, da geht der Christoph aus, er schlupft in seinem Rocke und hopft von Haus zu Haus. Und nach der Abendglocke, da ist die rechte Zeit, da tut man sich vereinen, da macht man sich bereit. Da tut man sich beraten, da spricht man viel vom Recht, wir sind ja alle Bürger, wir sind ja keine Knecht. Der Meister hopft zum Pfarrer, trägt ihm die Sache vor, er ist schon unterrichtet und schenkt ihm auch sein Ohr. Auch heilge Bürger hocken, beim dunklen Lampenschein, noch Abends beim Herrn Pfarrer in seiner Kanzelei. Jetzt, jetzt geht es aufs Rathaus, jetzt geht es zu der Tat, der Meister bringt die Sache vor den Gemeinderat. Ein Brichtlein wird geschaffen, das hat ja Händ und Füß und Wörtlein stehen drinnen die lauten zuckersüß. Das sollen jetzt unterschreiben, die Herren vom Gericht, die aber sind bald einig, wir unterschreiben nicht. Jetzt kann man es verwenden, zu was man es nur will, sie haben sich vereinigt, darum schweig ich still. Man ist noch nicht zufrieden, berät sich noch einmal, man findet sich zusammen, in einem großen Saal. Des andern Tags früh Morgens, da macht man sich bereit, aufs Rathaus anzukommen, es hat nicht lange Zeit. Aufs Rathaus angekommen, wo schon der Schultheiß sitzt, da sind die Köpf erhitzet, die Zunge ist gespitzt. Und hier geht es ganz Stille, vor sich, in aller Ruh, die beiden sprechen, wir geben alles zu. Der Meister der will keinen Zank, er sitzt auf der Gemeinderatsbank, er weiß es ja vor allen, es wird nicht gut ausfallen. Der Bartel als der Letzte, den nimmt man nicht ins Maul, der ist nicht so viel Gulden wert, wie'n Schmied sein alter Gaul. So geht die Sache weiter es wird ein wenig heiter, der Christoph sagt ja nicht, von wem, nä, nä, er sagt nur immer, von dem. AMEN Gedichte zum Schloss-Kauf aus: Waldmannshofen unter den Truchsessen von Baldersheim, den Herren von Rosenberg und hatzfeldischer Herrschaft, Albert Krämer, Creglingen, Nov. 1985 Nachdem die Waldmannshöfer Bürger Mitte des 19. Jahrhunderts die bisher der Herrschaft bzw. dem Schloßgutpächter zu leistenden Abgaben und Dienste durch entsprechende Geldzahlungen abgelöst hatten, bot Fürst Alfred von Hatzfeld-Wildenburg 1886 sein Eigentum in Waldmannshofen der Gemeinde zum Kauf an.   Die Gemeindeverwaltung griff zu, erwarb die Schlossanlage mit dem dazugehörigen Grundbesitz (ca. 115 ha Feld und 45 ha Wald) und veräußerte den größten Teil davon wieder an daran interessierte Einwohner. Die Schlossgüter wurden von den Waldmannshöfer Bauern als willkommene Aufstockung ihrer Betriebe gerne angenommen; auch die landwirtschaftlichen Gebäude im äußeren Schlosshof fanden Abnehmer. Das Schloss, von vielen als lästiges Anhängsel empfunden, blieb im Gemeindebesitz. Es diente als Gnadenwohnung und war jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben. Die Wertschätzung, die dieses bei nicht wenigen Gemeindegliedern erfuhr, illustriert die nachfolgende Episode: Anfang dieses Jahrhunderts brach im Schloss Feuer aus. Ein aufmerksamer Schlossbewohner entdeckte den Brand und alarmierte die Feuerwehr, die diesen löschte. Dafür musste er hernach den harten Vorwurf über sich ergehen lassen: "Hätt'st nit woanders hingucke könne!" Diese Einstellung hat sich in der Zwischenzeit geändert. aus waldmannshofen.de Allerdings verlief der Verkauf nicht ganz so reibungslos, wie es sich in den offiziellen Protokollen anhört - zum Beispiel im Rechnungsbuch der Jahre 1886 - 1888:     „Rechnung über den Ankauf und teilweisen Wiederverkauf des vormaligen fürstlich Hatzfeld'schen Ritterguts dahier durch die hiesige Teilgemeindepflege“.   Die Teilgemeinde Waldmannshofen hat in Folge des Beschlusses der Teilgemeindekollegien vom 6. Mai 1886 durch die Bevollmächtigten    Leonhard Heppel, Schultheiß    Michael Preuß, Gemeinderat am 8. Mai 1886 das frühere Fürstlich Hatzfeld'sche Rittergut Waldmannshofen von dem Besitzer und Eigenthümer Fürst Alfred von Hatzfeld-Wildenberg, zu Dembran in Oberschlesien wohnhaft, käuflich erworben für die Summe von 270.000 Mark. Vertrag vom 8. Mai 1886, Düsseldorf, mit der Absicht, 1. den israelischen Güterhändler jede Gelegenheit abzuschneiden „ihr Unwesen zum Schaden der Gemeinde hier treiben zu können. 2. den größten Teil des Gutes theils im Einzelnen, theils als größere Komplexe wieder zu verkaufen.   Der Schloßkauf ging unter sehr lebhafter Anteilnahme der gesamten Gemeinde vor sich und versetzte die Gemüter in einige Aufregung, denn zunächst hatten die fünf großen Bauern des Dorfes die Absicht, den zum Schloß gehörenden Grundbesitz an der restlichen Gemeinde vorbei ausschließlich unter sich aufzuteilen. Das wäre aber nur mit Hilfe jüdischer Händler und Finanziers möglich gewesen. Ein Waldmannshöfer Jude war schon beauftragt, entsprechende Verbindungen zu knüpfen. Diese Planung ließ sich aber wohl nicht geheimhalten. Durch Vermittlung von Pfarrer Dr. Wilhelm Haller kam es dann zu der Lösung, die wir heute aus den Protokollen und Verträgen kennen. Ein Bürger von Waldmannshofen hielt diesen Aufruhr in einigen humorvollen Gedichten fest :   1.  Das Schloß zu Waldmannshofen 2.  Der Bürgerstreit zu Waldmannshofen 3.  No nit vergessen ! Diese Gedichte liegen noch in älteren Schulheften und als Abschriften in einigen Waldmannshöfer Familien vor und werden auch gern als Ausschmückung in Festschriften verwendet.